100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Sossau

Die Isar Zeitung brachte am 20. Januar 1897 (Nr. 9) folgende Meldung: „Dingolfing, 19. Jan. Der weitverzweigten Kette des Landesverbandes bayer. Feuerwehren wurde am Samstag, den 16. Jänner 1897 ein neues Glied angehängt. An diesem Tage ist in dem zur hiesigen Stadtgemeinde einverleibten, 32 Häuser zählenden Ort Sossau eine selbständige freiwillige Feuerwehr gegründet worden. Von 24 in Vorschlag gebrachten Männern und Burschen sind auf erfolgte Einladung sämmtliche zur Gründungsversammlung im Fischer`schen Gasthause erschienen und haben dieselben einstimmig ihren Beitritt erklärt. Dem neuen Bruderverein entgegenzukommen, war der Verwaltungsrath der freiw. Feuerwehr Dingolfing gegenwärtig und gaben die Herren Nirschl, Pommer und Hauer sachdienliche Aufschlüsse. Mit den gegebenen Ausführungen einverstanden, wurde die Wahl der Vorstandschaft vorgenommen, welche folgendes Resultat ergab: Vorstand: Xaver Reisinger, Ortsführer; Hauptmann: Xaver Salzinger; Adjutant (zugleich Kassier und Schriftführer): Johann Maidl;  Spritzenmeister: Michael Kronbeck (je 23 bzw. 22 Stimmen), als Zugführer der Spritzen-, bezw. Steiger-Abtheilung wurden gewählt: Barthol. Fuchsgruber und Georg Zacher(tatsächl. Huber!). Die Mannschaft zeigte Freude und Begeisterung für das neugegründete Institut und wird es derselben bei fortdauerndem Eifer nicht schwer sein, sich gut organisieren und in Stunden der Gefahr helfend beispringen zu können. Wünschend, daß die jüngste der 30 Feuerwehren des Bezirks Dingolfing aufblühen und gedeihen möge, wurde die bestverlaufene Versammlung mit einem dreifachen „Gut Heil“ geschlossen.“

Die vom Schreiber dieses Artikels angesprochene Freude und Begeisterung, sowie der Eifer der 24 Gründungsmitglieder hat nunmehr einhundert Jahre angehalten und ist auch heute noch in der Wehr allgegenwärtig. Wie damals, verschließt sich auch heute kaum ein männlicher Dorfbewohner dem Ruf der Feuerwehr und der Aufgabe, der Menschen Leben, Gesundheit, Hab und Gut vor den Gefahren des Feuers, und ständig zunehmend auch durch technische Hilfeleistung vielfältigster Art zu schützen und zu bewahren. Diese Hilfeleistungen waren immer Gemeinschaftsleistungen, die in der Natur der Sache liegend, kaum von Einzelnen erbracht werden können. So waren es im frühen Mittelalter hauptsächlich die Zünfte, die sich um den Brandschutz und damit dem Schutz des Eigentums ihrer Mitglieder kümmerten. Die Aufgaben der Brandmeldung oblag in den früheren Jahrhunderten hauptsächlich den Stadttürmern und den vier Nachtwächtern, die dafür vom Landesherrn jährlich ein bestimmtes „Sallär“ ausbezahlt bekamen. Aufgaben des „vorbeugenden Brandschutzes“ wurden vom Rat der Stadt unter Beiziehung sachverständiger Personen übernommen. Die Aufgaben bestanden hauptsächlich in der Feuerbeschau in der Stadt und den vier Schwaigdörfern. Je ein Mitglied des äußeren und des inneren Rats übten diese Aufgabe zusammen mit dem Stadtmaurermeister und dem Kaminkehrer in Begleitung eines Ratsdieners aus. Die 1667 erteilten Anordnungen der Umrittskommission enthielten darüber folgenden Punkt: „Wegen der Rauchfäng und Feuerstätten ist ein unvermörckhte Visitation vorzunemmen und zu sechen, was umb die Rauchfang, auf den Cästen für Holzwerch, Haar, Heu und andere Materi ligen thue, welche gleich hinweckhzuschaffen und, da sich einer nit gewahrnen, sondern yberdas mit Saumbsall und Nachlessigkheit betretten liesse, nach Verdiensten abzustrafen.“ Diese Strafandrohungen wurden durch Geldstrafen und Arrest auf dem oberen Stadtturm, in der sog. Müllerin, geahndet. Der Bedeutung des Brandschutzes angemessen befassten sich zu sehr früher Zeit die Gesetzgebungsorgane mit dem Brandschutz. So verfügte auch die Stadt Dingolfing bereits im 17. Jahrhundert über eine „Feuerordnung“, die kurioserweise dem Stadtbrand vom 17.5.1743 durch „verbrennen im Stadtarchiv“ zum Opfer fiel. Es dauerte bis 1755 bis die „Feur-Ordnung gemainer Statt Dinglfing“ erlassen und verkündet wurde. Diese durch den Stadtschreiber am 21. Februar verkündete Feuerordnung nahm eine genaue Aufgabenverteilung im Brandfall vor. Sogar eine namentliche Zuordnung der einzelnen Aufgaben auf Bürger wurde vorgenommen. 1849 wurde diese Feuerlöschordnung grundlegend überarbeitet und den Anforderungen der Zeit angepasst. Über die Feueralarmierung ist darin folgendes festgelegt: „B. Besondere Bestimmungen 1. Die Kundgebung eines Brandes geschieht insbesondere durch die Nachtwächter, den Thürmer und die Tambours, dann durch Anschlagen der großen Glocke; brennt es jedoch zur Nachtzeit in den Schwaigdorfschaften, am Schwalbenberg oder zu Salitershaim durch Anschlagen der Zwölfuhrglocke“. Wieder wird unter diesem Abschnitt Pkt. 2 bis 9 eine genaue Aufgabenverteilung im Brandfall vorgenommen. Da sich die namentliche Zuordnung von Verantwortung wegen der Vergänglichkeit alles Lebens offensichtlich nicht bewährt hat, wurden diesmal die Aufgaben auf Berufsgruppen verteilt. Unter Pkt. 10 heißt es dann: „10. Die Schwaiger, die bloßen Hausbesitzer, kurz alle Individuen, welchen in der gegenwärtigen Löschordnung keine bestimmte Arbeit zugewiesen ist, dienen zum Wassertragen, Anfüllen und Bearbeiten der von auswärts kommenden Löschmaschinen, und müssen sich auf obrigkeitlichen Befehl überhaupt jeder Arbeit unterziehen.“ Zur Beschleunigung der Einsätze im Brandfall befanden sich seit 1837/38 vier Feuerleitern und Feuerhaken auch in Höll. Nachdem die Schwaigdörfer auch die Bereitstellung einer Löschmaschine forderten, begab sich eine Kommission nach Höll um nach geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten Ausschau zu halten. In der Nähe der Kirche St. Anton wurde angrenzend an den Stadel des Bauern Albert Irber (ehem. Hs.Nr. 29a jetzt Bahnhofstraße 50 Viehbeck) ein geeignetes Gemeindegrundstück gefunden.

 

 

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dann freiwillige Feuerwehren zur Brandbekämpfung gegründet. Die ersten freiwilligen Feuerwehren in Niederbayern wurden 1859 gegründet in Landshut, Passau und Ortenburg. 1868 wurde die Freiwillige Feuerwehr Dingolfing gegründet. Parallel zur Gründung von freiwilligen Feuerwehren wurden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Pflichtfeuerwehren, entweder zur Unterstützung der freiwilligen Feuerwehren oder wenn nicht vorhanden, zur vollständigen Übernahme der Aufgaben des Brandschutzes gebildet. Im Gegensatz zu heute bestand die Dienstpflicht der betroffenen Männer und Frauen(!) nicht gegenüber der jeweiligen Gemeinde, sondern gegenüber dem Staat.

1879 löste sich die FFW Dingolfing kurzfristig auf. Die Ortsbewohner von Sossau nutzten diese Gelegenheit und beantragten am 1. September bei der Stadt, ihnen die beiden kleinen Handspritzen aus dem Bestand der aufgelösten Wehr Dingolfing zu überlassen. Dies wurde von der Stadt unter der Voraussetzung gestattet, dass sie ordentlich aufbewahrt und in gutem brauchbaren Zustand gehalten würden. Die Bewohner von Sossau kamen dieser Verpflichtung mit großer Sorgfalt nach und erhielten in den Folgejahren auch eine Feuerspritze, die in dem „ehemaligen Waaghäusl vom Schrannenplatz“ (Isar Zeitung v. 20.11.1892 Nr. 136) untergebracht war. Diese Entscheidung von 1879 bereitete offensichtlich den Boden zur Gründung einer selbständigen freiwilligen Feuerwehr in Sossau. Dass diese Pläne bereits Jahre vor der eigentlichen Gründung in den Köpfen der Dorfbewohner existierten, beweist ein Artikel aus der Isar Zeitung vom 24. Juli 1895. Die Zeitung schreibt: „Dingolfing, 23. Juli. Sind halt tapfere, pflichteifrige Leute die S o s s a u e r. Aus dieser Ortschaft lief nämlich heute beim Herrn Hauptmann der hiesigen freiwilligen Feuerwehr ein Schreiben ein mit der ergebenen Bitte, es möge für Sossau eine Zweig-Feuerwehr gegründet werden; es sei dort eine Spritze und für deren Bedienung können leicht 20 Mann gestellt werden. Auf dem Papier figuriert bereits die ganze Compagnie. Nur, das wäre ganz lobenswerth; aber die Sache hat einen düstern Hintergrund, denn das Schreiben ist  –  anonym. Warum das? Auf Anonymes kann man bekanntlich kein Gewicht legen; ist`s aber den Sossauern Ernst mit ihrem Antrag und ist dieser nicht von Sonderinteressen diktiert, so kann gestelltes Gesuch event. einer Würdigung unterzogen werden.“. Bereits 1892 wurde in Sossau von der Stadt das erste „Feuerhaus“ errichtet (siehe Planabbildungen), worin nach Fertigstellung im November 1892 die sog. zehnte Feuerspritze, welche früher in dem nun abgebrochenen Häuschen neben dem neuen Knabenschulhaus stund, untergebracht wurde. Die bisher in Sossau untergebrachte Spritze kam mitsamt dem Waaghäusl nach Goben.

 

 

Wenn auch der oben zitierte Antrag an den Hauptmann der Dingolfinger Feuerwehr als anonym beschrieben wurde, konnte offensichtlich der Antragsteller ausfindig gemacht werden. Am 22. April 1896 berichtet die Isar Zeitung in ihrer Ausgabe Nr. 49 über eine Versammlung zur Neuwahl eines Hauptmanns für die Freiwillige Feuerwehr Dingolfing. Darin heißt es unter anderem: „Dingolfing, 21. April. ….Gegebener Anregung Folge leistend, wurde bestimmt, daß am 4. Mai der Verwaltungsrath der freiw. Feuerwehr nach S o s s a u  sich begebe, um in dieser Ortschaft Anstalt zu treffen, daß zur freiwilligen Bedienung der dort verwahrten Feuerspritze eine Mannschaft sich finde und dieser wunschgemäß die nothwendige Instruktion hiezu gegeben werde“. Dass es sich bei den Sossaurer Wehrmännern nicht um Neulinge handelte, sondern um ihren Dienst in der Dingolfinger Wehr ausübende Feuerwehrmänner, beweist ein Übungsbericht vom 10. August 1896 (Isar Zeitung ):“Zum ersten Mal hat gestern der Kreisvertreter Kaufmann, Landshut, die Inspektion der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr vorgenommen, zu welcher auch der Bezirksvertreter, Lehrer Grätzer von Ottering, Bezirksassessor Dusch (an Stelle des beurlaubten Bezirksamtmanns), und Vorstand Nirschl erschienen waren. Das 105 Mann zählende Korps, darunter auch die Sossauer Wehrmänner, rückte in einer Stärke von 86 Mann aus. Auch die Pflicht-Feuerwehr war in 3 Abteilungen stark vertreten. Vom Feuerhaus mit sämtlichen Requisiten wegfahrend, nahm die Feuerwehr, kommandiert von Hauptmann Pommer, am Marienplatz Aufstellung. Der Kreisvertreter inspizierte die Truppe sowie die Geräte, über deren Zahl und Zustand er sich recht befriedigt äußerte. Hierauf ließ der Kreisvertreter Detailübungen vornehmen, bei welchen die Steigerabteilung, die Rettungs- und die Spritzenmannschaft an die Reihe kamen. Brandobjekt war die Schadel`sche Brauerei, auf deren Dachung der Wasserstrahl direkt vom Hydranten aus geleitet wurde. Nach eineinhalbstündiger Übung formierte sich das in properer Armatur ausgerückte Korps zu einem Carré. Aus dem Munde des Kreisvertreters ertönten Worte der Zufriedenheit über die gute Leistung sowie die dringliche Mahnung zu noch mehr Fleiß und Eifer. Ein dreifaches „Gut Heil“ galt dem Gedeihen der Feuerwehr Dingolfing, welches der Bezirksvertreter mit Worten des Dankes und dreimaligem „Gut Heil“ erwiderte. Ein Parademarsch mit sämtlichen Geräten, 4 Signalisten an der Tete, beschloß die Hauptübung“. Die Sossauer Wehrmänner waren also von unserem Patenverein gut vorbereitet worden. An das Gemeinde-Kollegium und den Stadtmagistrat wurde daher ein Antrag zur Gründung der selbständigen Feuerwehr in Sossau gestellt. Die örtliche Presse (Isar Zeitung v. 8.1.1897 Nr. 4) berichtet darüber: „Dingolfing, 7. Jan. Männer und Burschen der nachbarlichen Ortschaft  S o s s a u  tragen seit längerer Zeit das Verlangen, in genanntem Orte, woselbst im neuerbauten Feuerhause eine Löschmaschine sich befindet, eine freiwillige Feuerwehrtruppe zum Anschluß an die Stadtfeuerwehr zu gründen. Der gestellte Antrag wurde in letzter Sitzung des Gemeinde-Collegiums gerne unterstützt und der Magistrat ersucht, dem Commando der hiesigen freiw. Feuerwehr behufs weiterer Ausführung der Sache hievon Mittheilung zu machen, was inzwischen bereits geschehen ist.“ In der Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Dingolfing am 12. Januar 1897 wurde dann auch dem Wunsch der Stadt gemäß beschlossen, dass sich die Mitglieder des Verwaltungsrates zur Gründung einer Ortsfeuerwehr am 16. Januar in Sossau einfinden.

Am Samstag, dem 16. Januar 1897 wurde dann die Freiwillige Feuerwehr Sossau als selbständige Feuerwehr gegründet.

 

Der von den 24 Gründungsmitgliedern gewählte Vorstand Xaver Reisinger (übrigens selbst Mitglied des Gemeindekollegiums) berichtet dies pflichtgemäß mit Schreiben vom 18. Januar 1897 an den „verehrlichen Stadtmagistrat Dingolfing“.

b3

 

Bereits in der Nacht vom 26. auf den 27. März 1897 hatte die Feuerwehr ihren ersten Einsatz. Zusammen mit den Feuerwehren aus Teisbach, Loiching, Dingolfing, Nieder- und Oberviehbach und Dornwang galt es in Höfen den Brand eines Anwesens zu löschen. Am 23. August des Gründungsjahres stand die Wehr erneut im Einsatz. Gegenüber dem Distriktskrankenhaus brannte ein Stadel.

Am 26. September 1897 fand bereits die erste überörtliche Inspektion der Wehr statt. Daß dieser Inspektion allgemein Bedeutung beigemessen wurde, ist daraus zu ersehen, dass selbst die Zeitung darüber berichtete. Am 29. September schreibt die Isar Zeitung (Nr. 116): „In Sossau hat vergangenen Sonntag den 26. September die erstmalige Inspektion der neugegründeten freiwilligen Feuerwehr durch Herrn Bezirksvertreter Grätzer stattgefunden. Die vorgenommene Uebung der seit kurzer Zeit mit Armatur versehenen eifrigen Mannschaft fiel gut aus und fehlte es seitens des Herrn Bezirksvertreters, der die Feuerwehrmänner in einer kernigen Ansprache zu kräftigem Thun aufforderte, nicht an Worten des Lobes. Von Dingolfings Feuerwehr waren 2 Herren vom Verwaltungsrath erschienen. Die Feuerwehr Sossau hat bisher aus Kreis- und Distriktsfond mitsammen 100 Mark erhalten.“

Im September 1899 war wohl die gesamte Ortschaft Sossau erneut von der Notwendigkeit der Feuerwehr überzeugt. Bei einem Hochwasser war die Hilfe der Wehr an allen Ecken und Enden gefragt. Der Berichterstatter schreibt: „Im Dorfe S o s s a u ist ein trauriges Bild der Verwüstung zu schauen. Dort trat am Donnerstag nachts, als die Wassermassen so plötzlich heranstürmten, die Feuerwehr in Aktion und half retten, was eben zu retten war. Am schwersten sind betroffen die Anwesensbesitzer Baumgartner und Kellner. Bei ersterem reichte die Hochfluth am Hintergebäude bis zum Hausdach; im Wohnzimmer stund das Wasser 1,50 m tief und noch gestern Montag schwammen daselbst die Zimmerbodenbretter. Vom Kellner`schen Hause wurde ein mächtiger Strohhaufen rings um das Haus getragen; im Stall, Stadel, Hofraum ec. ist ein Gräuel der Verwüstung zu schauen. Bei Wenger und in mehreren Häusern stund das Getreide in den Städeln bis zu 1m Tiefe im Wasser. Nächst dem Bahnwärterhaus wurde eine Straße weggerissen. Das Wasser stürmte hier 1 ½ Mtr. hoch mit furchtbarer Gewalt an, hatte aber keinen Abfluß; daher die arge Verheerung, an welcher der Bahndamm die Schuld trägt, der an dieser Stelle ohne Durchlaß-Anlage gebaut worden ist. Seit Menschengedenken ward in Sossau kein so hoher Wasserstand“ (Isar Zeitung Nr. 109 v. 20.9.1899).

Am 19. Mai des Jahres 1901 nahm die Wehr an der Fahnenweihe der Freiwilligen Feuerwehr Dingolfing teil.

Am 25. September 1903 wurde die Ausrüstung der noch immer jungen Wehr weiter komplettiert. Von der Fa. Ludwig P a u l aus Bayreuth wurde eine Saug- und Druckspritze mit 2 Strahlröhren angeschafft. Die Maschine kostete 1.100 Mark. Über die erste Übung mit diesem neuen Gerät berichtet der Chronist an die Isar Zeitung, die diesen Bericht am 9. Oktober 1903 in der Nr. 117 abdruckte. Der Bericht: „Sossau, 7. Okt. Die neuen Saug- und Druckspritze, welche unsere Ortschaft erhielt, hat bei der am vergangenen Sonntag stattgefundenen Erstprobe vorzüglich funktioniert. Die beiden Schlauchrohre ergaben eine Strahlweite von 28 Meter. Der Vertreter der liefernden Firma, Paul Ludwig von Bayreuth, war selbst zugegen, um nähere Anweisung zu geben. Auch Herr Bezirksvertreter Grätzer von Ottering wohnte der Probe an. Nach geschehener Arbeit unterhielt man sich in froher Gesellschaft im Resch`schen Gasthaus, wo noch manche Worte der Anerkennung und des Dankes gesprochen wurden.“ Wertvolle Hilfe leistete diese Spritze schon wenige Monate später. Vom 9. auf den 10. April des Jahres 1904 brannte es in der Brauerei Wasserburger. Nur unter verstärktem Einsatz der Feuerwehren Dingolfing, Sossau, Gottfrieding, Frichlkofen, Dornwang, Moosthenning und Lengthal konnte ein Ausbreiten des Feuers auf die umliegende Bebauung verhindert werden. Die Anschaffung der neuen Spritze hatte sich also bereits bezahlt gemacht.

Dass sich die Menschen in den Jahren seit Bestehen der Feuerwehr nicht verändert haben, kann aus der örtlichen Presse des Jahres 1905 entnommen werden. Dort führt der Redakteur am 23. September anlässlich der Neueinberufung und Übung der Pflichtfeuerwehr darüber Klage, dass es nicht angehe, die ganze Last und zeitliche Dauer des Brandeinsatzes den Männern der freiwilligen Feuerwehren aufzuhalsen, während bei jedem Brand hunderte von Neugierigen und Schaulustigen rumstehen und die Arbeit der Wehrmänner noch behindern. Die einberufenen 170 Mann der Pflichtfeuerwehr sollten den gut ausgebildeten Männern der freiwilligen Feuerwehren zur Hand gehen.

Zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Stadtmagistrat kam es im Jahre 1906, als dieser es ablehnte, der Wehr für Löscheinsätze außerhalb des Stadtgebietes eine Entschädigung für eingesetzte Privatfuhrwerke zu leisten. Als im Frühjahr 1906 ein Brand auf dem Erlmeier`schen Anwesen in Gottfriedingerschwaige ausbrach, kam es zu einem kleinen Eklat. Die Gemeindeverwaltung beschwerte sich beim Bezirksamt (=Landratsamt) über die Feuerwehr Sossau und schuldigte diese an, dass nur wegen des verspäteten Eintreffens der Sossauerer Spritze, sich der Brand unnötiger Weise ausbreiten konnte und daher vermeidbarer Schaden entstand. Der Stadtmagistrat befasste sich mit der Angelegenheit am 2. Mai 1906. Nach eingeholten Erkundigungen stellte sich dieser voll hinter die Wehr aus Sossau. Im zur Vorlage an das Bezirksamt gefassten Beschluss heißt es: „Der Stadtmagistrat nimmt von dem Berichte der Gemeinde-Verwaltung Gottfrieding an das k. Bezirksamt Dingolfing wegen des Brandes in Gottfriedingerschwaige Kenntnis und beschließt, es sei die Behauptung der Gde.Verwaltung Gottfrieding als wäre nur das verspätete Eintreffen der Sossauer Spritze an dem Ausbreiten  des Brandes schuldig gewesen, zurück. Die Wahrheit liegt anders. Die Spritze der Gemeinde Gottfrieding ist defekt und hat wie man hört den Dienst versagt. Der Feuermeldedienst hat anscheinend auch versagt, denn hier wusste man nicht von dem Brande. Die hiesige Feuerwehr wäre sofort zur Hilfe geeilt. Was die Sossauer Feuerwehr betrifft, so kann die Stadtgemeinde keine Verpflichtung anerkennen gewöhnlich zwei Spritzen abzusenden. Man kann nicht so viel Schlauchmaterial für zwei Spritzen mitgeben. Man will jedoch freiwillig der Feuerwehr Sossau dahin entgegenkommen, dass für das Spritzenfahren, dann von der Stadtgemeinde Dingolfing je 6 Mark bezahlt wird, wenn die freiwillige Feuerwehr Sossau in die Ortschaften Gottfrieding, Gottfriedinger Schwaige und Rosenau zur Hilfe kommt. In den zur Stadtgde. Dingolfing gehörigen Ortschaften muss das Spritzenfahren unentgeltlich betätigt werden, wie dies bei der hiesigen Feuerwehr auch geschieht.“ Die Beschwerde der Gde. Gottfrieding hat also im Nachhinein dem Antrag der Wehr Sossau zu einem positiven Ergebnis verholfen. Der Streit aber schwelte offensichtlich weiter, wenn auch bei einer Inspektion durch den Bezirksvertreter Grätzer im Oktober 1907 die 20 Mann starke Mannschaft einen hervorragenden Eindruck hinterließ. Klein aber fein nannte Grätzer die Wehr Sossau. Im Jahre 1908 kam es erneut zu einer Auseinandersetzung mit dem Stadtmagistrat wegen der Schlauchpflege und der Übernahme der hierfür erforderlichen Sachkosten. Die Wehr forderte von der Stadt eine pauschale Entschädigung für die Schlauchpflege von 5,–Mark / Jahr, sowie von 3,– Mark je Brandfall und konnte sich damit letztlich auch durchsetzen. Der Grund für das teilweise auch unter Berücksichtigung der Verhältnisse Anfang des 20. Jahrhunderts kleinlich anmutende Hickhack zwischen den Beteiligten wird 1911 deutlich. Ein Brief der Fa. Paul Ludwig aus Bayreuth an den Stadtmagistrat trägt zur Aufklärung bei. Am 10. Dezember 1911 schreibt sie: „die freiwillige Feuerwehr Sossau erhielt im Jahre 1903 eine neue Löschmaschine im Kostenbetrage von 1.130 Mark und im Jahre 1899 und in den folgenden Jahren, Waren von zirka 240 Mark. Dieselbe hat bis zum Jahre 1907 die Warenschulden bis auf cirka 60 Mk, die Löschmaschine bis 1908 bis auf 253 Mk abbezahlt, was für eine kleine Feuerwehr immerhin eine ansehnliche Leistung ist. Wie mir mitgeteilt wurde, sind in der Feuerwehr Differenzen entstanden, infolge dessen seitdem die Abzahlungen stockten.“ Die Fa. beantragte weiter die Übernahme und Begleichung der Restschuld durch die Stadt mit der Begründung, dass die Feuerwehr Sossau immerhin einen Bestandteil der städtischen Einrichtungen bildet. Die um Stellungnahme gebetene Feuerwehr beantragte ebenfalls die Übernahme der Restschuld durch die Stadt oder eine entsprechende Zuschussgewährung. Die Antwort der Stadt war ein Schreiben an die Feuerwehr Dingolfing, die um gutachtliche Stellungnahme zu der Frage gebeten wurde, ob für das Stadtgebiet links der Isar eine eigene Feuerwehrkompanie sinnvoll sei, die der Dingolfinger Wehr unterstellt sein sollte. Der damalige Hauptmann der Dingolfinger Wehr, Schindlbeck, wollte allerdings in der Angelegenheit eine Stellungnahme des Bezirksvertreters Grätzer einholen. Wie diese aussah oder ob überhaupt eine Antwort gegeben wurde, kann nicht mehr festgestellt werden. Als Reaktion der Feuerwehr Sossau musste Herr Grätzer in der Versammlung der Bezirksfeuerwehr am 29.4.1912 die Auflösung der Feuerwehr Sossau bekanntgeben. Was letztlich der Grund war, die Verantwortlichen der Feuerwehr Sossau und die Mannschaft umzustimmen und von der Notwendigkeit der Wehr für das Allgemeinwohl zu überzeugen, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Die Stadt jedenfalls gab diesmal nicht nach. Trotzdem konnte beim Bezirksfeuerwehrtag in Failnbach am 23. Juni 1912 vom Bezirksvertreter der Weiterbestand der Feuerwehr Sossau mitgeteilt werden.

Mit neuem Mut und Engagement wurde mit 27 Mann der Übungsbetrieb wieder aufgenommen. Auch überörtlich war man mit dabei. Am 22. Juni 1913 fand in Sossau im Gasthaus Reisinger der Bezirksfeuerwehrtag des Jahres 1913 statt. Neben einer gemeinsamen Übung mit der Feuerwehr Gottfrieding (!) und Thürnthenning fand auch ein Konzert der städt. Kapelle statt.

Das Geld und damit der Zustand des Materials blieb aber auch weiterhin knapp. Somit kam es auch mit dem Stadtmagistrat weiterhin zu Spannungen über verweigerte Zuschüsse und Entschädigungen für Löscheinsätze. Der 1. Weltkrieg und die damit verbundenen Personalprobleme verschärften die Situation weiter. Die Isar Zeitung veröffentlichte daher auch am 18. August 1914 folgenden Aufruf: „Dingolfing, 18. Aug. (Feuerwehr) Die Mobilmachung hat die Reihen unserer Feuerwehren stark gelichtet und bedürfen die Wehren dringend eine Verstärkung des Mannschaftsstandes. Die Herren Bezirksvertreter und Kommandanten werden daher ersucht, in den Heimatorten passende Männer als Ersatz für den Feuerwehrdienst zu gewinnen. Auf ein vom Landes-Feuerwehrausschuss gerichtetes Gesuch hat das Ministerium genehmigt, dass jetzt Leute schon vom 16. Lebensjahr ab in die Feuerwehren eintreten können und Männer bis zum 60. Lebensjahr als Mitglieder behalten werden.“ Im Juni 1917 brannte es in Sossau. Die Isar Zeitung berichtet: „Zu dem Brand in Sossau schreibt uns ein Augenzeuge: Am Brandplatz hat sich die freiwillige Feuerwehr Sossau eingefunden, deren schnellem und tatkräftigem Eingreifen es zu verdanken ist, daß das verheerende Element auf seinem Herd beschränkt blieb und das nur 3 Meter entfernte Lux`sche Anwesen, welches schon brannte, gerettet wurde. Es machte sich wieder das Fehlen von Wasserreserven sehr bemerkbar. Wie man in Schwaige-Höll und Geratsberg keine solchen Reserven findet, so wäre es auch in dem ausgedehnten Sossau nicht zu viel, wenn noch eine zweite Reserve für den unteren Teil vorhanden wäre. Gerade in dieser teueren Zeit könnte man so vieles retten, was recht notwendig wäre, da man fürs liebe Geld bald nichts mehr bekommt.“

Erneut kam es 1917 zu Zahlungsschwierigkeiten der Wehr. Bei der Schneiderei Meindl konnten 4 Joppen nicht bezahlt werden. Der wieder zur Stellungnahme aufgeforderte Kommandant ließ durch den Schriftführer folgende Antwort geben: „Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Sossau b. Dingolfing erklärt, kein Geld in der Kasse zu besitzen, und sie nur noch mit Abzahlung der Spritze zu thun haben, bei unterstützenden Zuschuß wird Zahlung geleistet. Dingolfing, den 3.3.1917. Lechner, Schriftführer.“ Der Stadtmagistrat ließ sich diesmal auf den Vorschlag ein und erklärte sich bereit, die Hälfte der noch offenen 64 Mark für die 4 Joppen an die Fa. Meindl zu bezahlen, wenn die Wehr umgehend den Rest begleicht. Die Restzahlung für die Spritze aus dem Jahre 1903 blieb weiterhin allein der Feuerwehr Sossau vorbehalten. Diese wandte sich mit der Bitte um einen Zuschuß zur Tilgung der Restschuld an des kgl. Bezirksamt Dingolfing und hatte Erfolg. Mit einem Zuschuss in Höhe von 150 Mark wurde nicht nur die Restschuld der Spritze in Höhe von 118 Mark, sondern auch der Hälfteanteil in Höhe von 32 Mark der Meindl-Rechnung übernommen. Die Feuerwehr Sossau war damit im Jahre 1918 endlich wieder schuldenfrei.

 

 

Mit neuem Mut und nach wie vor dezimierter Mannschaft ging es mit der Wehr wieder aufwärts. Den guten Übungsstand konnte diese beim Bezirksfeuerwehrtag in Dingolfing im Juli 1918 bei einer gemeinsamen Übung mit den Wehren Dingolfing und Frauenbiburg beweisen. Im Oktober wurde beim Landwirt Hofmeister in Sossau ein Brand im Schuppen gelöscht und ein Übergreifen des Feuers auf weitere Gebäude erfolgreich verhindert.

Am 10. August 1924 feierte die Feuerwehr nachträglich bei einem Gartenfest ihr 25-jähriges Bestehen. Die Zeitung berichtet von einem schönen Fest unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung.

Am 30. Mai 1926 konnte die Wehr bei einer Fahnenweihe ihre erste Fahne segnen lassen. Die Isar Zeitung berichtet groß über dieses Fest: „Dingolfing 31. Mai. Obwohl die letzten Tage wegen der Witterung Bedenken aufsteigen ließen, so war der Freiwilligen Feuerwehr Sossau an ihrem Hauptfesttag, der Weihe der neuen Fahne, für den der rührige Verwaltungsrat und die Einwohnerschaft seit langem vorbereitete, ein angenehmer Tag beschieden. Schon am Vorabend hatten sich zum Konzert zahlreiche Gäste eingefunden. Als am Sonntag die ersten Strahlen der Morgensonne in den festlich geschmückten Ort drangen, ertönte der Weckruf zum Feste. Nahezu 30 Vereine haben der freundl. Einladung Folge geleistet. Nach Abholung der Fahnenmutter, Frau Anna Reisinger zogen die Wehren zum Feldaltar, der an der Kapelle zwischen den beiden mächtigen Akazien einen schönen Platz gefunden hatte. Hochw. Herr Pater Superior vom hiesigen Franziskanerkloster hielt eine eindrucksvolle Festpredigt, in der er besonders den gemeinnützigen Zweck der Feuerwehren hervorhob und die er schloß mit den Worten „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“. Hierauf nahm er im Auftrage des H. H. Dekan Baumann die Weihe der neuen Fahne, ein Kunstwerk aus der Fahnenstickerei Hagn, Landshut, vor. Während der Feldmesse, intonierte die Kapelle Berger kirchliche Weisen. Nach derselben fand auf der Festtribüne der Festakt statt, den die Festjungfrau Marie Fischer mit einem sinnigen Prolog eröffnete. Herr Georg Reisinger hielt eine wohldurchdachte Ansprache, wobei er die erschienenen Wehren, besonders Herrn Bezirksvertreter Schindlbeck begrüßte, dem amtierenden Geistlichen sowie allen jenen dankte, die in irgend einer Weise zum Gelingen des Festes beigetragen haben. Er gedachte ehrend des verdienten verstorbenen Gründungsmitgliedes Herrn Schumachermeister Michael Kronbeck, der vor 30 Jahren mit weiteren wackeren Männern die Wehr ins Leben rief, sowie der verstorbenen Kameraden. Die Fahnenmutter Frau Reisinger heftete ein wertvolles Erinnerungsband an die neue Fahne. Unter gut vorgetragenen Prologen und Gedichten durch die Festjungfrauen Kreszenz Trumm, Theres Retzer und Fanny Salzinger wurde das Erinnerungsband der Jungfrauen, ein Trauerband sowie das Band des Patenvereins an die neue Fahne geheftet. Das Trauerband wurde gestiftet von Herrn Simon Bichlmeier und Johann Glas und  enthält 5 Namen gefallener Kameraden. Sodann erfolgte die Verteilung der Erinnerungsbänder an die Vereine. Ein Mittagsmahl vereinigt die Gäste hierauf im Stadler`schen Gasthause, wobei die Kapelle Berger konzertierte. Im Laufe des Nachmittags fanden sich noch zahlreiche Gäste ein und herrschte bis zum späten Abend in der Wasserburger`schen Festhalle bei Konzert frohe Festesstimmung. Am Nachmittag nahm Herr Bezirksvertreter Herr Schindlbeck die Gelegenheit wahr, der festgebenden Wehr zu gratulieren und besonders den beiden noch lebenden Gründungsmitgliedern Reisinger und Hofmeister zu danken. Er würdigte den Eifer und die Kameradschaft der Wehr, worauf Vorstand Herr Georg Buchner freudigst dankte.“

Das Fest hat offenbar Eindruck auch auf die Stadtspitze gemacht. Einer Mitteilung des Kommandanten Josef Reisinger vom 13.9.1926 an den Stadtrat, dass die Wehr lediglich über 40 Meter brauchbare Schläuche verfüge, folgte umgehend die Bewilligung von 100 Meter neuen Schläuchen. Die Wehr kaufte 150 Meter (315 Mark) sowie weiteres Gerät um 100 Mark. Der Stadtrat bewilligte nachträglich 310 Mark Zuschuss zu dieser Beschaffung. Auch in den Folgejahren fand die Wehr stets ein offenes Ohr für die mitgeteilten Probleme. Die Ausstattung wurde Zug um Zug verbessert und den Anforderungen der Zeit angepasst.

 

 

Doch schon bald zogen neue Wolken am Himmel über der selbständigen Feuerwehr auf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten arbeiteten diese an der Umsetzung des Führerprinzips in allen gesellschaftlichen Organisationen. So auch bei den Feuerwehren. Zunächst mussten ab 1934 die Kommandanten als „Wehrführer“ bezeichnet werden, die ernannt wurden. Wahlen gab es nur noch für den Vereinsvorstand, den Schriftführer, Kassier und Zeugwart. Die Generalversammlung wurde zum Generalappell. 1936 wurde die vereinsmäßige Organisation der Feuerwehren aufgehoben. Die Feuerwehren wurden Hilfspolizeitruppen. Die Feuerwehr Sossau wurde als Halblöschzug der Feuerwehr Dingolfing angegliedert. Mit Reichsgesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 wurden die Feuerwehren zu Polizeitruppen erklärt, mit der Folge, daß das gesamte Feuerlöschwesen dem Reichsminister des Innern angegliedert und dem Reichsführer SS und dem Chef der Deutschen Polizei unterstellt wurde. Mit der deutschen Kapitulation hatte auch dieser Spuk ein Ende. Die Militärregierung förderte die Feuerwehren und ließ mit dem Gesetz Nr. 41 vom 17. Mai 1946 über das Feuerlöschwesen ab 1. Juli 1946 die Feuerwehren unter der vor dem dritten Reich gewohnten Organisationsform wieder zu.

 

 

1949 beschaffte man eine neue Motorspritze und 1950 einen von Pferden gezogenen Anhänger. Begleitend dazu wurde die Ausrüstung wieder nach und nach vervollständigt. Die Kosten trug die Feuerwehr Sossau, gefördert durch die Stadt, die trotz der schlechten Finanzlage die Wehr weitgehend unterstützte. Auch die Ausbesserung des beschädigten Feuerwehrgerätehauses (1892 erbaut) wurde von den Männern der Wehr vorgenommen. Die Stadt leistete zur Materialbeschaffung einen Zuschuss von 500 DM.

 

 

Diese Eigeninitiative sollte sich lohnen. Am 14. Dezember 1951 wurde beim Stadtrat ein Antrag gestellt, die Feuerwehr Sossau wegen „finanzieller Schwierigkeiten hinsichtlich der Löschgeräte“ in die Feuerwehr Dingolfing einzureihen. Die Freiwillige Feuerwehr Sossau lehnte dies mit dem Hinweis ab, daß alle vorhandenen Geräte zu 70 Prozent aus Privatmitteln bestritten worden sind. Damit war auch dieser Angriff auf die Unabhängigkeit der Wehr erledigt. Es sollte erfreulicherweise bis heute der letzte bleiben, wenn auch der Bayerische Gesetzgeber beim Erlass des Feuerwehrgesetzes 1974 laut über die Zusammenfassung aller Ortsteilfeuerwehren zu einer einzigen gemeindlichen freiwilligen Feuerwehr nachgedacht hat.

1956 war die 1949 beschaffte Motorspritze (von der Feuerwehr Dingolfing erworbene T.S.8 Rosenbauer) nicht mehr einsatzfähig. Die Wehr beantragte bei der Stadt am 9.8.1956 ein neues Gerät. Am 24.3.1957 wurde die neue TS 8/8 Modell Magirus Bauart TSL 708 in Betrieb genommen. Die Pumpe wurde erstmals mit staatlicher Förderung vollständig von der Stadt bezahlt.

 

 

 

 

Ein Jubeltag für die neu gestärkte Wehr war der 19. Januar 1958. An diesem Tag feierte man, mit allem was dazu gehört, das 60-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Sossau. Bei einem Festgottesdienst in der noch fast neuen Kirche St. Josef weihte Stadtpfarrer Georgi zwei von der Wehr gestiftete Kerzen zur Ausstattung der Kirche. Die Werksfeuerwehren der Fa. Glas und der Fa. Eicher haben dazu kunstvoll gestaltete Kerzenständer gefertigt und der Kirche überlassen. Bei einem Ehrenabend im Gasthaus Reisinger konnte die vollzählig erschienene Prominenz aus Stadt und Landkreis den Werdegang der Feuerwehr Sossau nachzeichnen und für den geleisteten Einsatz Dank sagen.

 

 

Mit gewaltigen Schritten ging es weiter aufwärts. 1960 erhielt die Feuerwehr das erste Feuerwehrauto. Es handelte sich um ein LF 25, das von der Feuerwehr Dingolfing übernommen wurde. Bereits 1965 wurde dieses Fahrzeug mit dem legendären „Opel Blitz“, einem LF 8 – TS vertauscht. Die Feuerwehr übernahm dieses Fahrzeug am 30.9.1965 von der Fa. Rammelsberger, Dingolfing. Die Stadt bezahlte für dieses Fahrzeug 25.407,93 DM. Der Staat und die Bayer. Versicherungskammer bezuschussten das Fahrzeug. Voraussetzung für eine staatliche Förderung war die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Unterbringung des Fahrzeugs. 1961 hat die Stadt daher ein Feuerwehrgerätehaus in Sossau erstellt. Offiziell wurde das Gerätehaus jedoch erst am 15. Juli 1962 mit einer festlichen Haus- und Fahrzeugweihe übergeben. Stadtpfarrer Wilhelm Georgi nahm während einer Feldmesse die Segnung vor. Bürgermeister Heinz Heininger und Landrat Dr. Hastreiter brachten ihre Freude zum Ausdruck, dass trotz finanziell schwieriger Zeiten in die Schlagkraft der Feuerwehr investiert werden konnte.

 

 

Groß beging der Verein am 25. und 26. Juni 1977 das 80-jährige Jubiläum, verbunden mit der Weihe einer neuen Fahne. Der Festausschuss unter Leitung des Vorstands Ernst Meier und des Kommandanten Sepp Maidl hat ein würdiges Fest organisiert, bei dem die gesamte Bevölkerung der Stadt großen Anteil nahm. Beim Ehrenabend am Samstag, den 25. Juni wurden verdiente Mitglieder der Wehr ausgezeichnet. Stadtpfarrer Josef Laußer nahm dann am Sonntag, 26. Juni die Segnung der neuen, bei der Fa. Kössinger, Schierling, in Auftrag gegebenen Fahne, vor. Ein Wolkenbruch beendete stürmisch und wie aus „Kübeln“ schüttend den Festgottesdienst im Hof der Familie Hagl. Bei der Fortsetzung der Veranstaltung im Festzelt hinter dem Gerätehaus betonten die Ehrengäste, Bürgermeister Heinz Heininger, Landrat Fritz Ettengruber, KBR Anton Sandner sowie MdL Ewald Lechner als Grußwortredner die Wichtigkeit der Freiwilligen Feuerwehren innerhalb einer Gesellschaft, die zunehmend zu Egoismus neigt und deren Bereitschaft, Dienst am Nächsten zu leisten, ständig abnimmt. Bürgermeister Heininger folgerte daraus die Feststellung, mit der auch der DA seine Berichterstattung überschrieb: „Mit Recht zählen Feuerwehrmänner zu den besten Stadtbürgern“. Fahnenmutter Leni Reisinger, Fahnenbraut Magdalena Reisinger, die Festjungfrauen, die Fahnenjunker und der Patenverein (Freiwillige Feuerwehr Dingolfing) hefteten dann ihre Fahnenbänder vor über 60 anwesenden Vereinen an die neue Fahne. Trotz der stürmischen Witterung nahm dieses Fest einen außerordentlich harmonischen Verlauf.

 

 

Am 31. Januar 1986 konnten Vertreter der Feuerwehr Sossau im Stadtbauhof ein neues Fahrzeug LF 8 von der Fa. Magirus übernehmen, das am 19.4.1986 von 1. Bürgermeister Heinz Heininger offiziell der Wehr übergeben wurde. Damit waren der Sossauer Feuerwehr erstmals 2 Feuerwehrfahrzeuge anvertraut.

Für zwei Fahrzeuge war das 1962 eingeweihte Gerätehaus nicht ausgelegt. Es musste daher bereits nach 24 Jahren einem modernen, den stark gestiegenen Anforderungen gerecht werdenden Neubau weichen. Am 15.11.1986 bauten die Mitglieder der Wehr alle Einrichtungsgegenstände zur Zwischenlagerung aus. Die Fahrzeuge wurden vorübergehend bis zur Fertigstellung des Gerätehausneubaus in der Maschinenhalle des damaligen 2. Vorsitzenden Josef Reisinger und der Fahnenmutter Leni Reisinger untergebracht. Schon am 21. November des gleichen Jahres wurde das alte Haus abgebrochen und an gleicher Stelle mit dem wesentlich größeren Neubau begonnen. Richtfest wurde am 23.4.1987 gefeiert. Am 8.10.1987 konnte dann das neue Gerätehaus von 2. Bürgermeister Helmuth Baumgärtner der Feuerwehr übergeben werden. Damit und mit der Inbetriebnahme des zweiten Fahrzeuges begann für die Feuerwehrmänner aus Sossau ein neuer Abschnitt. Die deutlich verbesserte Ausstattung erforderte einen wesentlich intensiveren Übungsbetrieb und brachte auch durch zunehmende Aufgabenzuweisung im Rahmen fortgeschriebener Alarm- und Einsatzpläne wesentlich mehr Einsätze mit sich. Die Feuerwehr Sossau kam den gestellten Anforderungen in vollem Umfang durch eine engagierte Mannschaft und Führung stets nach und hat so die eingesetzten Steuermittel für die getätigten Investitionen stets voll gerechtfertigt. Sie wurde zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Brand- und Katastrophenschutzes in unserer Zeit. Mit dem Austausch des aus dem Jahre 1961 stammenden Opel Blitz durch ein Tanklöschfahrzeug im Jahre 1995 wurde auch seitens der Stadt auf die gestiegenen Aufgaben reagiert. Die Zahl der Einsätze stieg seither weiter sprunghaft an. In zahlreichen Übungen und Schulungen halten sich die aktiven Feuerwehrmänner der Freiwilligen Feuerwehr Sossau für diese Aufgaben bereit und haben wie in jedem einzelnen der zurückliegenden einhundert Jahren für die Allgemeinheit, sowie für Leib, Leben, Gesundheit und Hab und Gut des Einzelnen unschätzbare Dienste geleistet.

 

Ein Überblick über die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Sossau wäre unvollständig, wenn man dabei nicht die gerade in den letzten Jahrzehnten wieder zunehmend gewachsene gesellschaftspolitische Aufgabe erwähnen würde. Für den Ortsteil Sossau ist die Feuerwehr zu der Institution des örtlichen Lebens überhaupt geworden, ohne die die Aufrechterhaltung des geschichtlich gewachsenen und überlieferten dörflichen Bewusstseins nicht denkbar und möglich wäre. Hinzu kommt gerade in den letzten Jahren die gestiegene Verantwortung in der Integration der Jugend, der die Feuerwehr in einer teilweise sehr orientierungslos gewordenen Zeit Werte vermitteln kann, die für die Jugend von ganz erheblicher Bedeutung sind. So werden in der Freiwilligen Feuerwehr Sossau, wie auch in so vielen anderen freiwilligen Feuerwehren, ursprüngliche Aufgaben des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes, zusammen mit den Aufgaben der zunehmend überwiegenden technischen Hilfeleistung, in überzeugender Weise mit gesellschaftspolitischen Aufgaben verantwortungsvoll zusammengeführt.

 

 

Jährlich führt die Freiwillige Feuerwehr Sossau zur Kontaktpflege mit den Wehren des Landkreises Dingolfing-Landau ein Feuerwehrstockturnier durch. Die dörfliche Gemeinschaft und zunehmend viele Bewohner der umliegenden Wohngebiete, besuchen jedes Jahr wieder gerne das Sonnwendfeuer der Wehr. Gerne pflegen die Sossauer Wehrmänner den Kontakt mit den Feuerwehrkameraden aus der Partnerstadt Enns. Mit ihnen zusammen geht es jährlich einmal für drei Tage in die Berge, wo auf den Berghütten die sprichwörtliche Bergkameradschaft ausgiebig genossen wird. Eine einwöchige Radtour der Feuerwehr bringt jedes Jahr wieder für zwanzig Wehrmänner Erholung und Entspannung von den Pflichten des Alltags.

 

Menü